DIN-Normen - Teil 81

 

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DIN-Normen - Teil 81

 

 

9.2

Strukturierung technischer Produkte
und technischer Produktdokumentationen

DIN ISO/TS 16952-1

Technische Produktdokumentation-Referenzkennzeichensystem – Teil 1: Allge-
meine Anwendungsregel (Mrz 2007)

DIN 6779-2

Kennzeichnungssystematik fu¨r technische Produkte und technische Produktdokumenta-
tion – Teil 2: Kennbuchstaben – Hauptklassen und Unterklassen fu¨r Zweck oder Aufga-
be von Objekten (Jul 2004)

Die Kennzeichnungssystematik nach DIN 6779 und DIN ISO/TS 16952-1 steht im Einklang mit DI-
N EN 61346-1 Strukturierungsgrundlagen und Kennzeichnung, die Strukturierungsbeispiele folgender
Aspekte beschreibt: Funktion (was tut der betrachtete Gegenstand?), Konstruktion (wie setzt sich der
Gegenstand zusammen?), Einsatzort (wo befindet sich der Gegenstand innerhalb einer Anlage?).

Da die gewu¨nschte Information und somit die Strukturierung von Gegensta¨nden innerhalb eines Sys-
tems (einer Anlage) vom jeweiligen Betrachtungsstandpunkt abha¨ngt, erfordert dies eine hierauf ab-
gestimmte Struktur.

Fu¨r alle Phasen des Produktlebenszyklus (z. B. Planung, Entwicklung, Beschaffung, Fertigung) von
technischen Produkten ist ein einheitliches Kennzeichnungssystem zur Identifizierung von Anlagen
und Gruppen, Einzelteilen sowie deren Dokumentation erforderlich. Dieses Kennzeichnungssystem
dient auch zur Bezeichnung nach Aufgabe, Funktion, Art und Einsatzort. Fu¨r alle Fachbereiche (Ma-
schinenbau, Elektrotechnik, Schiffbau usw.) ist das Kennzeichnungssystem anwendbar.

Die Kennzeichnung erfolgt entsprechend der Aufgabenstellung mit Kennzeichnungsblo¨cken, die ein-
zeln oder in hierarchischer Kombination angewendet werden. Die Kennzeichnungsblo¨cke werden
durch Vorzeichen unterschieden (Bild 337.1).

Die Kennzeichnungsblo¨cke sind in Gliederungsstufen unterteilt, die aus einem oder mehreren Ab-
schnitten bestehen. Von links nach rechts werden die Betrachtungseinheiten kleiner.

Jeder Abschnitt besteht aus ho¨chstens 3 Datenstellen, die im Regelfall abwechselnd alphabetisch (A) und numerisch
(N) aufgebaut sind (Bild 337.2).

Der Kennzeichnungsblock „Aufstellungsort“ kann weiter unterteilt werden in Ra¨ume und Bereiche.

Der Block „Einbauort“ kennzeichnet Baueinheiten wie z. B. Pulte, Schra¨nke oder Apparate.

9

Bild 337.1

Vorzeichen fu¨r Kennzeichnungsblo¨cke

Bild 337.2

Zusammenfassung mehrerer Kennzeichnungsblo¨cke

9.2

Strukturierung technischer Produkte und technischer Produktdokumentationen

337

Der Block „Gegenstand, Betriebsmittel“ kennzeichnet den Gegenstand sowie seine anwendungsbezogene Zuordnung
(wird in Fachnormen festgelegt).

Als Beispiel fu¨r mo¨gliche Angaben, Inhalt und Gliederungsstufen im Kennzeichnungsblock „Anlage“ s. Bild 338.1.

9.3

Benennungen, Formate, Blattgro¨ßen, Vordrucke, Maßsta¨be,
Ausfu¨hrungsrichtlinien

DIN 199-1

Technische Produktdokumentation – CAD-Modelle, Zeichnungen und Stu¨cklisten – Teil 1:
Begriffe (Mrz 2002)

DIN 199-3

– Teil 3: Stu¨cklisten-Verarbeitung, Begriffe in Schlu¨sselsystemen (Aug 1978)

DIN 199-4

– Teil 4: nderungen (Okt 1981)

DIN 199-5

– Teil 5: Stu¨cklisten-Verarbeitung, Stu¨cklistenauflo¨sung (Okt 1981)

Die Benennung „Zeichnung“ diente fru¨her als Sammelname oder in Verbindung mit anderen Wo¨rtern
zum Benennen von zeichnerischen Darstellungen und Unterlagen, die nach Art der Anfertigung, des
Inhalts oder des Zweckes unterschieden wurden, wobei keine dieser Benennungen einen Vorzug hatte.

Neuere Diskussionen haben gezeigt, dass mit der zunehmenden Anwendung des rechnerunterstu¨tz-
ten Zeichnens eine Unterscheidung zwischen der Zeichnung als reines Darstellungsmittel und der
Zeichnungs-Unterlage als Informationstra¨ger notwendig ist. Die fu¨r das Zeichnungswesen wichtigen
Gegensta¨nde ko¨nnen sowohl in Stu¨cklisten aufgefu¨hrt als auch in Zeichnungs-Unterlagen dargestellt
sein. Gegensta¨nde, die in anderer Weise so eindeutig beschrieben sind, dass fu¨r deren Anfertigung
keine Zeichnung erforderlich ist, werden OZ-Teile genannt. OZ ist die Kurzform fu¨r (Teile) „Ohne
Zeichnung“. Gegensta¨nde im Sinne dieser Normen ko¨nnen nach DIN 2330 sowohl materiell (z. B. Er-
zeugnisse, Gruppen, Teile, Unterlagen) als auch immateriell (Zeichnungen, Anweisungen, Funktions-
merkmale, Hinweise) sein.

Im Folgenden werden Begriffe aufgefu¨hrt, die den Zusammenhang verdeutlichen.

Computer Aided Design (CAD) ist das rechnerunterstu¨tzte Konstruieren oder Entwerfen von Bauteilen.

Bild 338.1

Antrieb fu¨r die Aufrolleinrichtung einer Papiermaschine

9

Technische Produktdokumentation und Technisches Zeichnen

338

Ein dreidimensionales CAD-Modell ist der dreidimensionale Anteil der auf einem CAD-System vorlie-
genden Teilbeschreibung.

Anmerkung: Jeder Punkt der dargestellten Geometrie wird durch drei Koordinaten definiert. Es entsteht somit eine

ra¨umliche Darstellung, die das Teil in seiner realen Form abbildet. Die CAD-3D-Modelle ko¨nnen in ver-
schiedenen Beschreibungsformen vorliegen: Kanten- bzw. Drahtmodell, Fla¨chenmodell, Volumen- bzw.
Solidmodell.

Ein zweidimensionales CAD-Modell ist ein CAD-Modell, das ein Teil zweidimensional darstellt.

Anmerkung: Ein zweidimensionales CAD-Modell ist entweder als CAD-Zeichnung oder in einer Ebene des dreidimen-

sionalen Raums (nur fu¨r rotationssymmetrische Teile sinnvoll) darstellt.

Eine technische Zeichnung ist eine Zeichnung in der fu¨r technische Zwecke erforderlichen Art und
Vollsta¨ndigkeit.

Zur erforderlichen Art geho¨rt z. B. das Einhalten von Darstellungsregeln; zur erforderlichen Vollsta¨ndigkeit geho¨ren ggf.
Maßeintragungen, technische Hinweise, Tabellen u. .

Eine Zeichnung ist eine aus Linien bestehende bildliche Darstellung.

Diese Definition ist unabha¨ngig davon, auf welchem Zeichnungstra¨ger sich die Darstellung befindet. Zeichnungstra¨ger
ko¨nnen z. B. sein: Tafel, Papier, Film, Bildschirm.

Ein Zeichnungs-Satz ist die Gesamtheit aller fu¨r einen bestimmten Zweck zusammengestellten Zeich-
nungen.

Anmerkung: „Ein bestimmter Zweck“ wird oft die vollsta¨ndige Darstellung eines Gegenstandes sein; ein Zeichnungs-

Satz kann sich aber auch auf die zur Instandhaltung benutzten Dokumente beschra¨nken.

Eine Hauptzeichnung ist die Darstellung eines Produktes in seiner obersten Strukturstufe.

Ein Erzeugnis ist ein durch Produktion entstandener gebrauchsfa¨higer bzw. verkaufsfa¨higer Gegenstand.

Eine Gruppe ist ein aus zwei oder mehr Teilen und/oder Gruppen niedrigerer Ordnung bestehender
Gegenstand.

Eine Gruppe kann in sich geschlossen sein (montiert) oder als „Gruppe loser Teile“ bestehen.

Eine Gesamtzeichnung (Gruppenzeichnung) ist eine Zeichnung, die eine Anlage, ein Bauwerk, eine
Maschine, ein Gera¨t oder eine Gruppe von Teilen vollsta¨ndig darstellt.

Eine Anordnungszeichnung ist eine technische Zeichnung, die die ra¨umliche Lage von Gegensta¨nden
zueinander darstellt.

Die Anordnungszeichnung braucht nicht maßsta¨blich zu sein. Die Benennung Lageplan wird synonym angewendet.

Ein Teil ist ein Gegenstand, fu¨r dessen weitere Aufgliederung aus der Sicht des Anwenders dieses
Begriffes kein Bedu¨rfnis besteht.

Kennzeichnende Merkmale dieses Begriffes kommen durch Wortkombinationen zum Ausdruck (z. B. Ersatzteil, Roh-
teil).

Ein Einzelteil ist ein Teil, das nicht zersto¨rungsfrei zerlegt werden kann.

Eine Einzelteil-Zeichnung ist eine technische Zeichnung, die ein Einzelteil ohne die ra¨umliche Zuord-
nung zu anderen Teilen darstellt.

In eindeutigen Fa¨llen du¨rfen Einzelteil-Zeichnungen auch Teil-Zeichnungen genannt werden.

Die Positionsnummer ist eine Nummer, die den in Stu¨cklisten aufgefu¨hrten, auf Zeichnungen darge-
stellten Gegensta¨nden als ordnendes Merkmal zugeordnet ist.

Die Stu¨ckliste ist ein fu¨r den jeweiligen Zweck vollsta¨ndiges, formal aufgebautes Verzeichnis fu¨r einen
Gegenstand, das alle zugeho¨renden Gegensta¨nde unter Angabe von Bezeichnung (Benennung, Sach-
nummer), Menge und Einheit entha¨lt.

Kennzeichnende Merkmale dieses Begriffes du¨rfen durch Wortkombinationen zum Ausdruck kommen (z. B. Baukasten-
Stu¨ckliste). Verzeichnisse, die sich nicht auf die Menge 1 von Gegensta¨nden beziehen, oder Auszu¨ge aus Stu¨cklisten
werden als Listen bezeichnet (z. B. Auftrags-Liste, Ersatzteil-Liste).

Die Baukasten-Stu¨ckliste ist eine Stu¨cklistenform, bei der in einer Stu¨ckliste alle Teile und Gruppen
der na¨chsttieferen Stufe aufgefu¨hrt sind.

Besteht eine Position einer Baukasten-Stu¨ckliste aus einer Gruppe, so besteht fu¨r diese Gruppe eine eigene Stu¨ckliste
(einstufige Aufgliederung; mehrstufige Aufgliederung s. Struktur-Stu¨ckliste).

9

9.3

Benennungen, Formate, Blattgro¨ßen, Vordrucke, Maßsta¨be, Ausfu¨hrungsrichtlinien

339

Alle Baukasten-Stu¨cklisten eines Enderzeugnisses bilden einen Stu¨cklisten-Satz. Die Baukasten-Stu¨ckliste des Ender-
zeugnisses darf als „Haupt-Stu¨ckliste“ bezeichnet werden.

Die Struktur-Stu¨ckliste ist eine Stu¨cklistenform, die zur Darstellung der Erzeugnisstruktur mit allen
Gruppen und Teilen dient, wobei jede Gruppe jeweils bis zu ihrer niedrigsten Stufe aufgegliedert ist.

Die (mehrstufige) Gliederung der aufgefu¨hrten Gruppen und Teile entspricht in der Regel dem geplanten Zusammen-
baufluss (einstufige Aufgliederung s. Baukasten-Stu¨ckliste).

Entha¨lt eine Position fu¨r eine Gruppe in einer Struktur-Stu¨ckliste z. B. die Stu¨ckzahl 4, so werden alle zu dieser Gruppe
geho¨renden Teile mit dem Mengenfaktor 4 multipliziert.

Die Benennung ist der Name fu¨r einen Gegenstand.

Die Benennung dient nicht zur Identifizierung eines bestimmten Gegenstandes, sondern dazu, eine Vorstellung von
seinen Eigenschaften und/oder Merkmalen zu vermitteln. Die Gegensta¨nde sind mo¨glichst nach ihrer Art und/oder Ge-
stalt zu benennen und nur dann nach ihrer Funktion, wenn sie auch ku¨nftig nur zweckgebunden verwendet werden.

Die Bezeichnung ist die Zusammenfassung von Benennung und weiteren identifizierenden Merkmalen.

Es ist zu unterscheiden zwischen auf Zeichnungen dargestellten Teilen, bei denen sich die Bezeichnung aus Benennung
und Sachnummer zusammensetzt, und Teilen, die ohne Angabe einer Fertigungs-Zeichnung in der Stu¨ckliste aufgefu¨hrt
werden (z. B. Norm- und Katalogteile). Bei Normteilen besteht die Bezeichnung aus Benennungs-Block und Identifizie-
rungs-Block (DIN 820-2).

Bei Fremdteilen kann anstelle der lieferantenspezifischen Kurzbezeichnung die Sachnummer stehen.

Die Menge ist die Angabe u¨ber die Anzahl der Einheiten von Gegensta¨nden.

Bei Stu¨cklisten gilt die Menge (fu¨r eine Position) fu¨r den im Schriftfeld genannten Gegenstand.

Einheit. Fu¨r Stu¨cklisten gelten die Einheiten nach DIN 1301-1 sowie die Einheit „Stu¨ck“.

Die Sachnummer ist die identifizierende Nummer eines Gegenstandes (einer Sache).

Bei Bedarf kann unterschieden werden zwischen Teilenummer und Nummer fu¨r Unterlagen (z. B. Zeichnungsnummer,
Stu¨cklistennummer), DIN 6763-1, s. Norm.

DIN EN ISO 216

Schreibpapier und bestimmte Gruppen von Drucksachen – Endformate – A- und B-
Reihen und Kennzeichnung der Maschinenlaufrichtung (Mrz 2006)

DIN 476-2

Papier-Endformate; C-Reihe (Feb 1991)

Formate. Maße von Ablagen fu¨r Zeichnungs-Unterlagen und Schriftgut und damit auch der Bu¨ro-
mo¨bel ha¨ngen von den Formaten ab.

Aufbau der Formatordnung

Das Formatsystem ist auf folgender Grundlage aufgebaut:

a) Ha¨lftungsgesetz: Die Normalreihe (regula¨r abgeleitete Formate) wird aus einer Folge von Formaten
gebildet, die dadurch entsteht, dass das na¨chstgro¨ßte Format parallel zur kleinen Seite in zwei gleiche
Teile unterteilt wird. Die Fla¨chen zweier aufeinander folgender Formate verhalten sich demnach wie
2 : 1 (s. Bild 340.1).

b) hnlichkeitssatz: Alle Formate einer Reihe sind einander geometrisch a¨hnlich (s. Bild 340.2). Dar-
aus ergibt sich folgende Gleichung fu¨r die Seiten x und y eines Formates

y

: x ¼

ffiffiffi

2

p

: 1 ¼ 1,414

Bild 342.1

Das Ha¨lftungsgesetz

Bild 342.2

Der hnlichkeitssatz

Bild 342.3

Das Prinzip der
Proportionalita¨t

9

Technische Produktdokumentation und Technisches Zeichnen

340

 

 

 

 

 

 

 

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