DIN-Normen - Teil 8

 

  Index      Standards     DIN-Normen

 

Search            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Content   ..  6  7  8  9   ..

 

 

DIN-Normen - Teil 8

 

 

Beispiele fu¨r Typ-A-Normen:

DIN EN ISO 12100-1 Sicherheit von Maschinen – Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsa¨tze – Teil 1:
Grundsa¨tzliche Terminologie, Methodologie

DIN EN ISO 12100-2 Sicherheit von Maschinen – Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsa¨tze – Teil 2:
Technische Leitsa¨tze

DIN EN 1050 Sicherheit von Maschinen – Leitsa¨tze zur Risikobeurteilung

Sicherheitsfachgrundnormen, Sicherheits-Gruppennormen (so genannte Typ-B-Normen) behandeln
entweder Sicherheitsaspekte, die eine ganze Reihe von Maschinen betreffen (Typ-B1-Norm: z. B. Si-
cherheitsabsta¨nde, Gefahrstoffe, Gera¨usche, Strahlung, Oberfla¨chentemperatur, ergonomische Gestal-
tung) oder eine bestimmte Art von Schutzeinrichtungen, die fu¨r verschiedene Maschinen verwendet
werden ko¨nnen (Typ-B2-Norm: z. B. Zweihandschaltungen, Verriegelungseinrichtungen, druckem-
pfindliche Schutzeinrichtungen, trennende Schutzeinrichtungen, Signale und Stellteile, Steuerungen,
Zuga¨nge zu/in Maschinen).

Falls fu¨r eine bestimmte Maschine keine produktspezifische Norm vorhanden ist oder Gefa¨hrdungen
zu betrachten sind, die darin nicht behandelt werden, dienen die Festlegungen entsprechender Typ-B-
Normen dazu, die grundlegenden Anforderungen an eine besondere Maschine na¨her zu spezifizieren.

Beispiele fu¨r Typ-B1-Normen:

DIN EN 294 Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsabsta¨nde gegen das Erreichen von Gefahrstellen
mit den oberen Gliedmaßen

DIN EN 626-1 Sicherheit von Maschinen – Reduzierung des Gesundheitsrisikos durch Gefahrstoffe,
die von Maschinen ausgehen – Teil 1: Grundsa¨tze und Festlegungen fu¨r Maschinenhersteller

DIN EN 626-2 Sicherheit von Maschinen – Reduzierung des Gesundheitsrisikos durch Gefahrstoffe,
die von Maschinen ausgehen – Teil 2: Methodik beim Aufstellen von berpru¨fungsverfahren

DIN EN 13478 Sicherheit von Maschinen – Brandschutz

Beispiele fu¨r Typ-B2-Normen:

DIN EN 418 Sicherheit von Maschinen – NOT-AUS-Einrichtung – funktionelle Aspekte – Gestaltungsleit-
sa¨tze

DIN EN 574 Sicherheit von Maschinen – Zweihandschaltungen – Funktionelle Aspekte

DIN EN 1760-1 bis -3 Sicherheit von Maschinen – Druckempfindliche Schutzeinrichtungen

Sicherheits-Produktnormen (so genannte Typ-C-Normen) behandeln detaillierte Sicherheitsanforde-
rungen an eine bestimmte Maschine oder Gruppe von Maschinen („vertikale Normung“). blicher-
weise verweisen Typ-C-Normen soweit wie mo¨glich auf die Festlegungen der hierarchisch u¨bergeord-
neten Typ-A- und Typ-B-Normen. Daru¨ber hinaus werden maschinenspezifische Festlegungen
getroffen. Da die speziellen Festlegungen einer Typ-C-Norm von denen abweichen ko¨nnen, die in ent-
sprechenden Typ-A- und B-Normen jeweils fu¨r eine gro¨ßere Gruppe von Maschinen getroffen wur-
den, haben die Festlegungen einer Typ-C-Norm stets Vorrang. Insofern geht nur von Typ-C-Normen
eine uneingeschra¨nkte Vermutungswirkung im Hinblick auf die Erfu¨llung der grundlegenden Sicher-
heits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenrichtlinie 98/37 EG aus.

Beispiele fu¨r Typ-C-Normen:

Normenreihe DIN EN 81 Sicherheitsregeln fu¨r die Konstruktion und den Einbau von Aufzu¨gen

Normenreihe DIN EN 1870 Sicherheit von Holzbearbeitungsmaschinen

– Kreissa¨gemaschinen

6.3

Sicherheitstechnische Grundsa¨tze

6.3.1

Gestalten von Maschinen

DIN EN ISO 12100-1

Sicherheit von Maschinen – Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsa¨tze –
Teil 1: Grundsa¨tzliche Terminologie, Methodik (Apr 2004)

Diese Norm ersetzt DIN EN 292-1, Ausgabe November 1991, und legt die grundsa¨tzliche Terminologie
und Methodik fest, die fu¨r das Erreichen der Sicherheit von Maschinen angewandt werden. Die Norm

6

Sicherheit und Gesundheitsschutz durch Normung

44

wurde auf der Grundlage eines Mandats der Europa¨ischen Kommission zur Maschinenrichtlinie erar-
beitet. Die Festlegungen in dieser Norm sind fu¨r Konstrukteure vorgesehen. Diese Norm behandelt
keine Scha¨den an Haustieren, Eigentum oder Umwelt. Ziel der Norm ist, Gefa¨hrdungen durch geeig-
nete Schutzmaßnahmen zu beseitigen bzw. das Risiko zu minimieren.

Grundlegende Terminologie (auszugsweise Wiedergabe):

Maschine. Eine Gesamtheit von miteinander verbundenen Teilen oder Baugruppen, von denen
mindestens eine(s) beweglich ist, mit den entsprechenden Antriebselementen, Steuer- und Energie-
kreisen, die fu¨r eine bestimmte Anwendung zusammengefu¨gt sind, insbesondere fu¨r die Verarbei-
tung, Behandlung, Fortbewegung oder Verpackung eines Materials. Der Begriff „Maschine“ gilt auch
fu¨r Maschinenanlagen, die so angeordnet und gesteuert werden, dass sie als einheitliches Ganzes
funktionieren, um das gleiche Ziel zu erreichen.

Gefa¨hrdung. Potentielle Schadensquelle

Anmerkung Der Begriff Gefa¨hrdung kann pra¨zisiert werden, um die Herkunft (z. B. mechanische Ge-

fa¨hrdung, elektrische Gefa¨hrdung) oder die Art des zu erwartenden Schadens na¨her zu
bezeichnen (z. B. Gefa¨hrdung durch elektrischen Schlag, Gefa¨hrdung durch Quetschen,
Gefa¨hrdung durch Scheren, Gefa¨hrdung durch Vergiftung, Gefa¨hrdung durch Feuer).

Relevante Gefa¨hrdung. Gefa¨hrdung, die als an der Maschine vorhanden oder mit ihrem Einsatz ver-
bunden festgestellt wurde.

Signifikante Gefa¨hrdung. Gefa¨hrdung, die als relevant festgestellt wurde und die vom Konstrukteur
spezielle Maßnahmen erfordert, um das Risiko entsprechend der Risikobeurteilung auszuschließen
oder zu reduzieren.

Gefa¨hrdungssituation. Sachlage, bei der eine Person mindestens einer Gefa¨hrdung ausgesetzt ist.
Diese Situation kann unmittelbar oder u¨ber einen la¨ngeren Zeitraum hinweg zu einem Schaden fu¨h-
ren.

Risiko. Kombination der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens und seines Schadenausma-
ßes.

Restrisiko. Risiko, das nach Anwendung von Schutzmaßnahmen verbleibt.

Hinreichende Risikominderung. Risikominderung, die unter Beru¨cksichtigung des Standes der Technik
zumindest den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Risikobeurteilung. Gesamtheit des Verfahrens, das eine Risikoanalyse und Risikobewertung umfasst.

Risikoanalyse. Kombination aus Festlegung der Grenzen der Maschine, Identifizierung der Gefa¨hr-
dungen und Risikoeinscha¨tzung.

Risikobewertung. Auf der Risikoanalyse beruhende Beurteilung, ob die Ziele zur Risikominderung er-
reicht wurden.

Bestimmungsgema¨ße Verwendung einer Maschine. Verwendung einer Maschine in bereinstim-
mung mit den in der Benutzerinformation bereitgestellten Informationen.

Vernu¨nftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung. Verwendung einer Maschine in einer Weise, die
vom Konstrukteur nicht vorgesehen ist, sich jedoch aus dem leicht vorhersehbaren menschlichen Ver-
halten ergeben kann.

Sicherheitsfunktion. Funktion einer Maschine, bei der ein Ausfall das Risiko/die Risiken erho¨hen
kann.

Direkt wirkende Sicherheitsfunktion. Sicherheitsfunktion einer Maschine, bei der ein Ausfall zur un-
mittelbaren Erho¨hung des Risikos/der Risiken fu¨hren kann.

Indirekt wirkende Sicherheitsfunktion. Sicherheitsfunktion einer Maschine, bei der ein Ausfall nicht
unmittelbar zur Erho¨hung des Risikos/der Risiken fu¨hrt, jedoch die Wirksamkeit der zugeho¨rigen di-
rekt wirkenden Sicherheitsfunktion vermindert.

Schutzmaßnahme. Mittel zur vorgesehenen Minderung des Risikos, umgesetzt vom:

– Konstrukteur (eigensichere Konstruktion, technische Schutzmaßnahmen und erga¨nzende Schutz-

maßnahmen, Benutzerinformationen) und

– Benutzer (Organisation: sichere Arbeitsverfahren, berwachung, Betriebserlaubnis zur Ausfu¨hrung

von Arbeiten, Bereitstellung und Anwendung zusa¨tzlicher Schutzeinrichtungen, Anwendung per-
so¨nlicher Schutzausru¨stungen, Ausbildung).

6

6.3

Sicherheitstechnische Grundsa¨tze

45

Inha¨rent sichere Konstruktion. Schutzmaßnahme, die entweder Gefa¨hrdungen beseitigt oder die mit
den Gefa¨hrdungen verbundenen Risiken vermindert, indem ohne Anwendung von trennenden oder
nicht trennenden Schutzeinrichtungen die Konstruktions- oder Betriebseigenschaften der Maschine
vera¨ndert werden.

Technische Schutzmaßnahmen. Schutzmaßnahmen, bei denen Schutzeinrichtungen zur Anwendung
kommen, um Personen vor Gefa¨hrdungen zu schu¨tzen, die nicht in angemessener Weise beseitigt
werden ko¨nnen oder deren Risiken, die durch inha¨rent sichere Konstruktion nicht ausreichend ver-
mindert werden ko¨nnen.

Schutzeinrichtung. Trennende oder andere Schutzeinrichtung.

Benutzerinformation. Schutzmaßnahmen, die aus Kommunikationselementen bestehen (z. B. Texte,
Wo¨rter, Zeichen, Signale, Symbole, Diagramme), die einzeln oder gemeinsam verwendet werden, um
Informationen an den Benutzer weiterzugeben.

Abschnitt 4 der Norm beschreibt grundlegende Gefa¨hrdungen, die von der jeweiligen Maschine aus-
gehen ko¨nnen und solche, die mit der Umgebung in Verbindung stehen, in der die Maschine einge-
setzt wird. Hierzu geho¨ren: mechanische, elektrische und thermische Gefa¨hrdung, Gefa¨hrdung durch
La¨rm, Schwingungen, Strahlung, Material und Substanzen, durch Vernachla¨ssigung ergonomischer
Grundsa¨tze bei der Konstruktion und durch Ausrutschen, Stolpern und Stu¨rzen sowie Gefa¨hrdungs-
kombinationen.

In Abschnitt 5 wird eine Strategie zur Risikominimierung aufgezeigt. Es wird davon ausgegangen,
dass eine an einer Maschine vorhandene Gefa¨hrdung fru¨her oder spa¨ter zu einem Schaden fu¨hrt,
wenn keine Schutzmaßnahme(n) durchgefu¨hrt wird bzw. werden. Diese Schutzmaßnahmen sollten
dabei nach Mo¨glichkeit bereits bei der Konstruktion ergriffen werden, da diese im allgemeinen wirk-
samer sind als die vom Benutzer geta¨tigten Maßnahmen. Der Konstrukteur soll in der folgenden Rei-
henfolge vorgehen:

1. Festlegung der Grenzen und der bestimmungsgema¨ßen Verwendung der Maschine;

2. Identifizierung von Gefa¨hrdungen und zugeho¨rigen Gefa¨hrdungssituationen;

3. Einscha¨tzen des Risikos fu¨r jede identifizierte Gefa¨hrdung und zugeho¨rige Gefa¨hrdungssituation;

4. Bewerten des Risikos und Treffen von Entscheidungen u¨ber die Notwendigkeit zur Risikominde-

rung;

5. Beseitigung der Gefa¨hrdung oder Vermindern der mit der Gefa¨hrdung verbundenen Risiken durch

Schutzmaßnahmen.

Zur Erreichung des Ziels, die Gefa¨hrdung zu beseitigen oder die mit der Gefa¨hrdung verbundenen
Risiken zu vermindern, wird eine „3-Stufen-Methode“ vorgeschlagen. Diese beinhaltet die folgenden
Phasen, s. Bild 47.1:

– Inha¨rent sichere Konstruktion;
– Technische Schutzmaßnahmen;
– Benutzerinformation hinsichtlich des Restrisikos.

Die einzelnen Phasen werden in DIN EN ISO 12100-2 ausfu¨hrlich beschrieben.

DIN EN ISO 12100-2

Sicherheit von Maschinen – Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsa¨tze –
Teil 2: Technische Leitsa¨tze (Apr 2004)

Diese Norm ersetzt DIN EN 292-2, Ausgabe Juni 1995, und legt technische Leitsa¨tze fest, um Kons-
trukteuren Hilfestellung zur Konstruktion sicherer Maschinen zu geben. Sie ist dafu¨r vorgesehen,
bei spezifischen Problemen zusammen mit DIN EN ISO 12100-1 angewendet zu werden.

Diese Norm behandelt keine Gefa¨hrdungen fu¨r Haustiere, Gu¨ter oder Umwelt. Es gelten die Begriffe
der Norm DIN EN ISO 12100-1.

Eine inha¨rent sichere Konstruktion ist der erste und entscheidende Schritt im Prozess der Risikomin-
derung, da davon ausgegangen werden kann, dass inha¨rente Schutzmaßnahmen fu¨r die spezifische
Maschine wirksam bleiben. Sie wird dadurch erreicht, dass Gefa¨hrdungen vermieden oder Risiken
vermindert werden durch eine geeignete Auswahl von Konstruktionsmerkmalen bzw. von Wechsel-
wirkungen zwischen den gefa¨hrdeten Personen mit der Maschine.

Folgende Aspekte gilt es zu beru¨cksichtigen: Geometrische Faktoren, physikalische Aspekte, allgemei-
nes technisches Wissen zur Konstruktion von Maschinen, Auswahl geeigneter Technologien, Wechsel-

6

Sicherheit und Gesundheitsschutz durch Normung

46

6

Bild 47.1

Schematische Darstellung des 3-stufigen iterativen Prozesses zur Risikominderung

6.3

Sicherheitstechnische Grundsa¨tze

47

 

 

 

 

 

 

 

Content   ..  6  7  8  9   ..